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Jürgen Heinz und Uwe Krafczik

„WECHSELZEITEN“ Plastik und Malerei im Dialog

1. Mai - 22. Mai 2022

Eröffnung am 1. Mai um 14:00 Uhr, Stadtgalerie „Alte Post“

Öffnungszeiten Mo - Fr 14 - 18 Uhr, Sa 10 - 13 Uhr

Subtile Schwingungen, thematische Korrespondenzen und kommunikative Spannungsbögen: in ihrer neuen Ausstellung in der Stadtgalerie „Alte Post“ inszenieren die Sylter Kunstfreunde eine eindrucksvolle Collage aus Objektkunst und Malerei. Bei einer gemeinsamen Werkschau präsentieren der Metallbildhauer Jürgen Heinz und der Bilderarchitekt Uwe Krafczik kinetische Stahlskulpturen und dynamische Farbkompositionen im reizvollen Dialog. Unter dem Titel „WECHSELZEITEN“ werden bis 22. Mai jüngere Arbeiten beider Künstler zu sehen sein. Die Vernissage findet am 1. Mai um 14 Uhr statt.

Die titelgebende Anspielung auf die Kräfte der Gezeiten und das Wechselspiel der Natur sind kein Zufall. Sowohl die Objekte wie auch die Bildmotive offenbaren ein hohes Maß an Bewegungsenergie im zwei- wie auch im dreidimensionalen Raum. Wenngleich es auf den ersten Blick keine direkte Verbindung zwischen den Skulpturen und den Bildern zu geben scheint, so entdeckt man doch eine wortlose Konversation zwischen dem kalten, aber gleichsam organisch atmenden Stahl und den flirrenden Bildmotiven, die bei aller malerischen Statik gleichsam wie ein gefrorener Augenblick wirken und so ihre vermeintlich flächige Starre überwinden.

Es ist nicht die erste Zusammenarbeit der beiden Künstler, die persönlich wie auch räumlich eng verortet sind. Jürgen Heinz lebt in Darmstadt und fertigt seine Objekte seit 1997 in einem Atelier in Lorsch an der hessischen Bergstraße. Er ist seit über 20 Jahren eng mit Sylt verbunden und hatte zuletzt 2018 einige Plastiken auf der Insel präsentiert. Der gebürtige Heidelberger Uwe Krafczik lebt und arbeitet in Erbach im Odenwald. Er bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Malerei, Design und experimenteller Objektkunst. Beiden gemein ist eine puristisch klare und pointierte Formensprache, die in ihrer visuellen Klarheit das Auge zum assoziativen Wahrnehmen herausfordert und den unmittelbaren Austausch mit dem Betrachter sucht.

Ist es bei Jürgen Heinz der Pulsschlag des Stahls, dem er virtuos eine rätselhafte Musikalität und lyrische Qualität abtrotzt, so sind es bei den zumeist großformatigen Arbeiten von Uwe Krafczik die vielschichtig mit dem Spachtel aufgetragenen Formen und Farben, die den Werken eine subtile Energie und innere Spannung verleihen. Der enge Bezug zur Form und ein verwandtschaftliches ästhetisches Verständnis bilden eine weitere Klammer, die in dieser Gemeinschaftsausstellung immer wieder deutlich wird.
Krafczik ist kein Maler im engeren Sinne: seine Bilder und Serien sind handwerklich-technische Konstruktionen, die aus einem intellektuellen Reifungsprozess und permanenter Reflexion auf die äußere Umwelt heraus entstehen. Dass die neueren Motive die gesellschaftlich-individuelle Distanzierungstendenz und kulturelle Lethargie der Pandemie spiegeln, will der Künstler nicht verneinen. Viele Arbeiten wirken in ihrer Dunkelheit und defensiven linearen Struktur zunächst mystisch und verschlossen. Doch brechen immer wieder auch helle Blitze und feine Lichtstrahlen durch die tiefgründigen Kompositionen, die Krafczik in seiner Serie "You Want It Darker" – benannt nach dem letzten Album von Leonard Cohen – zusammengefasst hat. Ein dunkler Dialog mit der Welt inmitten einer Zeitenwende. Der destruktiven Melancholie und offenkundigen Vergänglichkeit setzt der Künstler immer wieder ein hoffnungsvolles „Trotzdem“ entgegen.

Technisch betrachtet nimmt es seine Malerei mit dem Wortschatz der Architektur auf. Seine Bilder zeigen Linien und Überschneidungen, Flächen und Geometrien und eine nicht selten skulpturale Textur. Die rigide Struktur wird zum Ordnungsprinzip, das Uwe Krafczik stets wieder austariert und durchbricht, um neue Pfade auszuprobieren. In der Fusion von Gedanken und Emotionen entstehen seine Bilder als fruchtbare Auseinandersetzung mit sich selbst und der Welt.

Auch bei Jürgen Heinz ist das Kunstobjekt niemals Selbstweck. Seine Werke stehen beispielhaft für die Erkenntnis des Philosophen und Psychoanalytikers Paul Watzlawick und zeigen, dass dessen These von der Unmöglichkeit der Nicht-Kommunikation auch auf die bildende Kunst anwendbar ist. Der Stahlwerker hat die Bewegung seines Lieblingsmaterials zur autarken Ausdrucksform erhoben. Seine Installationen und Plastiken verändern den Raum bereits durch ihre schiere Anwesenheit und verführen den Betrachter in ihrer transformativen Morphologie zu einem fortwährenden Perspektivenwechsel. Sorgfältig austariert, überwindet der schwere Werkstoff in sanfter, wellenartiger Bewegung seine vermeintlich statische Natur und beginnt förmlich zu schweben.

Darüber hinaus – und auch in diesem Punkt treffen sich die beiden Künstler - betont der Metallbildhauer die kommunikative Dimension von Kunst als gesellschaftlich relevantes Element und Lebensnerv einer Gesellschaft, die seit zweieinhalb Jahren in einem sozial-kulturellen Wachkoma schlummert. Viele seiner Exponate thematisieren Miteinander und Isolation, Gleichklang oder Dissonanz. Diesen Beziehungskomplex formuliert er seit 2003 mit der losen Reihe „Moving Sculptures“ immer wieder neu aus. Die Begegnung mit seinen schwingenden Skulpturen ist immer auch eine leise Einladung zur haptischen Kontaktaufnahme: ein leichter Anstoß oder ein plötzlicher Windhauch lösen eine meditative kinetische wie akustische Reaktion aus, deren nobler Eleganz man sich kaum entziehen kann. Heinz kontrolliert Gewicht und Form, Gravitation und Trägheit, um seinen kühlen Metallkonstruktionen Leben einzuhauchen - der Stahl wird zum harmonischen Organismus.

Die elegante Langsamkeit der dynamischen Gesten wird durch eine elastische Lagerung der einzelnen Komponenten erreicht. Auf dünnen Metallstäben wird das Metall so ausbalanciert, dass die Naturgesetze außer Kraft gesetzt scheinen. Mit seinen Objekten hat Jürgen Heinz eine tradierte Grenze in der Metallgestaltung durchbrochen, neue Perspektiven ausgeleuchtet und dem kreativen Vokabular des archaischen Stahls neue Akzente hinzugefügt. Es ist das Spannungsfeld aus Bewegung und Veränderung, das in seinen Arbeiten in geradezu lyrischer Anmut zum Ausdruck kommt. Beispielhaft die Installation „Big Fish“, die auch auf Sylt zu sehen sein wird.
Einblicke und Durchblicke, Motive und Metamorphosen, Bewegung und Ruhe: Die Begegnung von Jürgen Heinz und Uwe Krafczik wird zu einem vitalen Dialog von Malerei und Plastik, der die Wahrnehmung herausfordert, neue Perspektiven öffnet und einen eindrucksvollen Blick auf neue Bild- und Gefühlswelten ermöglicht. Mit „WECHSELZEITEN“ haben die Sylter Kunstfreunde schon jetzt einen Höhepunkt im aktuellen Ausstellungjahr geschaffen.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung in der Stadtgalerie „Alte Post“ (Stephanstrasse 4, Westerland): vom 1. bis 22. Mai täglich von 11 bis 18 Uhr. Herzliche Einladung zur Vernissage am Sonntag, dem 1. Mai 2022 um 14.00 Uhr.

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